Der Bär ist los

Von Manfred Kastlmeier

Am 20. Juli begann um Mitternacht am Freisinger Marienplatz das „verrückte Staffelrennen“, wie es die Münchener Abendzeitung betitelte. Dahinter verbirgt sich ein sportliches Miteinander, eine gemeinsame gruppen- und abteilungsübergreifende Unternehmung und eine standesgemäße Sektionsfeier, anlässlich des 150jährigen Jubiläums des Deutschen Alpenvereins:

Das war die Grundidee von Katrin Kell und Manfred Kastlmeier. Daraus wurde „die Staffel“, ein 20-Stunden Unternehmen von Freising quer durch das alpine Voralpenland und wieder zurück nach Freising.
45 Mitglieder der Sektion Freising des DAV waren daran beteiligt, hinter der Kamera, als Unterstützer und natürlich als Sportler vor der Kamera. Dabei wurden zahlreiche Sommersportarten ausgeführt, die im Alpenverein gepflegt werden.
Natürlich war auch ein Staffelsymbol dabei, der Alpenvereins-Bär, der an diesem Tag noch einige Abenteuer erleben sollte.
Ziel war schlussendlich das Freisinger Altstadtfest, denn ein von Stadtverband für Sport organisiertes Fest braucht auch ein wenig sportlichen Vorlauf. Und der sah grob skizziert so aus:
Um Mitternacht startete ein Tandem-Radl-Duo zu einer Nachfahrt an den Tegernsee, wo zwei Bergläufer den Bären übernahmen und zum Fuße des Daffensteins trugen. Nach einer atemberaubenden Kletterpartie auf dessen Gipfel reichten Wanderer die Stafette an eine Gruppe Mountainbiker weiter, die vom Wallberg aus zum Schliersee fuhren. Der Schliersee wurde durchschwommen, Rennradler rasten durch das Voralpenland an die Isar bei Achering, von wo aus der Bär eine spritzige Bootspartie nach Freising unternehmen durfte. Hoch über dem Marienplatz, auf einer Slackline, endete das Abenteuer.

Exklusiv für das Freiluftwerk-Magazin konnten wir jetzt ein Gespräch mit zwei der Beteiligten dieser Aktion, nämlich dem Bären und einem der Planer, Manfred Kastlmeier, führen.

Freiluftwerk: Wie kam es zu dieser Staffel?

Manfred Kastlmeier.:

Die Idee wurde bereits im vergangenen Sommer geboren. Katrin und ich wollten die Sektion und die verschiedenen Aktivitäten ihrer Mitglieder in einer originellen Art und Weise darstellen. Da bietet sich eine solche Staffel an, weil eine Vielzahl von Menschen mitmachen können.

Freiluftwerk: Was hat es mit
dem Bären auf sich?

Der Bär:
Auf dem Emblem der Sektion ist ein Bär, vermutlich ein Cousin von mir, zu sehen. Ein Bär ziert auch das Freisinger Stadtwappen, was auf eine Legende über den heiligen Korbinian zurückgeht, der ja im Gebirge einen Bären getroffen hat, wahrscheinlich auch ein Cousin von mir.

Freiluftwerk:
Radfahren, klettern, schwimmen und vieles mehr.
Das sind eher ungewöhnliche Tätigkeiten für einen Bären.

Der Bär:

Das kann man wohl sagen. Jahrelang saß ich nur auf dem Bücherschrank, bis ich im Mai gleichsam aus dieser Beschaulichkeit herausgerissen wurde. Plötzlich wurde ich fotografiert und verschiedenen Leuten präsentiert.

Manfred Kastlmeier:
Im Laufe des Frühsommers nahm die Planung langsam Gestalt an. Die einzelnen Etappen wurden geplant und festgelegt und auch die Ausführenden wurden gezielt gesucht und angesprochen.

Der Bär: Mich hat keiner gefragt.

Manfred Kastlmeier:
Okay, aber mich hat überrascht, dass jeder, den ich angesprochen habe, sofort Feuer und Flamme war. Der Michi, der mit seinem Gleitschirm zum Schliersee fliegen sollte, hat, ich kannte ihn vorher gar nicht, sofort auf eine E-Mail geantwortet. Sinngemäß: Super-Idee, bin dabei. Und so war es auch bei allen anderen Teilnehmern.

Freiluftwerk: Dann ist ja wohl alles planmäßig gelaufen?

Manfred Kastlmeier:
Eigentlich schon. Das Tandem war zu schnell. Katrin und ich sollten laut Plan um 06.00 h am Zielpunkt sein, hatten diesen aber trotz einer längeren Kaffeepause bereits um 04.00 h erreicht. Die Wanderer hatten im weglosen Gelände Probleme wegen umgestürzter Bäume und der Paraglider konnte wegen des Windes nicht zum Schliersee fliegen.

Freiluftwerk:
Aber es hat dann doch geklappt?

Der Bär:
Aber nur weil ich mit den Mountainbikern mitgefahren bin.

Manfred Kastlmeier:
Das Wetter war der Knackpunkt der ganzen Aktion. Deshalb haben wir bei der Planung die Möglichkeit, dass Michi evtl. nicht am geplanten Ort landen kann, in Betracht gezogen und als Alternative die Mountainbikegruppe eingebaut.

Der Bär:
Aber die hatten auch Probleme.

Manfred Kastlmeier:
Richtig, es gab eine Reifenpanne, weshalb die Ankunft am Schliersee nicht im Zeitfenster erfolgt.

Der Bär:
Gott sei Dank, denn sonst hätte
ich schwimmen müssen.

Freiluftwerk:
Aber ihr seid ja doch in Freising angekommen und das sogar in der Zeit.

Der Bär:
Die haben gemogelt. Gib’s nur zu.

Manfred Kastlmeier:
Die Mountainbiker kamen gut eine Stunde zu spät an. Nachdem unsere Schwimmerinnen schon so lange gewartet hatten, sind sie ohne Staffelübergabe losgeschwommen.

Der Bär:
Und ich durfte Autofahren.

Manfred Kastlmeier:
Der Bär wurde dann noch rechtzeitig ans andere Ende des Sees chauffiert und konnte dort übergeben werden.

Freiluftwerk:
Eine Stunde Verspätung und trotzdem kamt ihr rechtzeitig an?

Manfred Kastlmeier:
Die Rennradler haben die verlorene Zeit wieder reingeholt.

Der Bär:
Die sind schneller als die Polizei erlaubt gefahren. (Anmerkung der Redaktion: Der Bär macht einen Witz. Der Kopf der Rennradtruppe ist nämlich Polizist)

Manfred Kastlmeier:
Wir hatten ihnen nahegelegt, die Verkehrsregeln zu beachten. Die Antwort darauf lautete: „Ja, sofern sie sinnvoll sind“. (Anmerkung der Redaktion: Auch Manfred Kastlmeier macht einen Witz. Der Kopf der Rennradtruppe ist nämlich Polizist)
Letztendlich konnten sie den Verzug auf zehn Minuten reduzieren.

Der Bär:
Die sind wirklich gerast. Ich hab´s ja miterlebt. Das Auto, das uns filmen sollte hat uns erst kurz vor Feldkirchen eingeholt.

Manfred Kastlmeier:
Meine Frau ist gefahren und die hält sich auch gelegentlich an Verkehrsregeln, aber trotzdem hat es lange gedauert, bis wir die Radler eingeholt hatten. Ich hatte schon die Befürchtung, dass sie eine andere Route gefahren sind.

Freiluftwerk:
Bär, gab es an diesem Tag etwas, das sich besonders eingeprägt hat?

Der Bär:
Einiges. Das Tandemfahren ging ja noch. Da war es dunkel und ich habe nichts gesehen. Das Laufen, naja, gut dass ich nicht gefrühstückt hatte. Richtig Bammel hatte ich beim Klettern. Die haben mich an einem 5 mm dünnen Strick an den Klettergurt angebunden und ich musste dauernd nach unten sehen.

Freiluftwerk:
Hast Du Höhenangst?

Der Bär:
Ich bin 25 cm groß…

Manfred Kastlmeier:
Naja, groß?

Der Bär:
Wenn Du dann 200 Meter senkrecht nach unten sehen musst. Das ist schon was. Dann die Mountainbiker. Die sind ja den Berg runter, dass die Steine nur so geflogen sind.
Wenn´s dann wieder bergauf ging, konnte ich mich wenigstens etwas erholen. Die haben ganz schön geschnauft. (Anmerkung der Redaktion: Der Bär lacht schadenfroh). Karbon statt Kondition.

Manfred Kastlmeier:
Gut, die Fahrt auf der Isar war dann wenigstens entspannter.

Der Bär:
Von wegen. Man hat mich wie eine Gallionsfigur an die Spitze von so einem Boot gebunden. Die sind dann auch noch da gefahren wo´s am meisten gespritzt hat. Und schließlich haben die es noch geschafft, dass das Boot umkippt.

Manfred Kastlmeier:
Das war eine sog. Eskimorolle.

Der Bär:
Klatschnass war ich.

Freiluftwerk:
Aber Du hast überlebt und bist augenscheinlich wieder trocken.

Der Bär:
Hahaha. Die wurden wenigstens auch nass. Aber es kommt noch schlimmer. Nachdem ich losgebunden wurde, dachte ich, jetzt sei mein Martyrium zu Ende. Von wegen.Zunächst ging´s ja ganz harmlos zu Fuß zum Marienplatz. Dort haben sie mich wieder an so einem Typen festgebunden (Anmerkung der Redaktion: Der Bär meint Lukas Irmler), der dann auf so eine Schnur (Anmerkung der Redaktion: Der Bär meint eine Slackline) gestiegen ist. Gut das waren höchsten 30 Meter, nach dem, was ich heute schon erlebt habe, ein Klacks. Aber dann fängt der zu wippen an. Rauf und runter und rauf und runter.
Und zum Abschluss wirft er mich auch noch in die Tiefe.

Manfred Kastlmeier:
Aber Du wurdest ja aufgefangen. Das war so geplant.

Der Bär:
Ja, Du großer Planer. Aber hattest Du in Deinem Plan auch berücksichtigt, dass sich die Menschen da unten regelrecht um mich gebalgt haben? Jeder wollte mich haben.

Manfred Kastlmeier:
Naja, gewisse Unwägbarkeiten gibt es immer.

Freiluftwerk:
Wie geht es weiter? Es wurde ja bereits angesprochen, dass Videos gemacht worden sind.

Manfred Kastlmeier:
Richtig, wir haben Unmengen von Filmmaterial, die wir bereits sortiert und geschnitten haben. Wir wollten ja die Vielfältigkeit unserer Sektion darstellen. Deshalb arbeiten wir daran, diese Aktion in einem Videofilm aufzubereiten, quasi als Werbung für den DAV und die Sektion Freising.

Der Bär:
Komm´ ich dann ins Fernsehen?

Manfred Kastlmeier:
Ins Fernsehen wohl nicht, aber zur nächsten Jahreshauptversammlung Anfang 2020 wollen wir eine ca. 30minütige Fassung des Filmes fertiggestellt haben, um sie dort zu zeigen. Seitens des Vorstandes wurde auch eine Special-Extended-Version angemahnt.

Freiluftwerk:
Danke für das Gespräch.

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