Gerhard Falke (Wust)

Text: Sebastian Eiden Foto: Basti Schels

"Kennst du eigentlich den Gerhard?"
"Welchen denn?"
"Na, den mit der Zahnlücke"
"Ach, du meinst an Gertschi!"

Und an dieser Stelle muss man erwähnen, daß je nach Alter und Profession des Gegenübers entweder Da Gerd, Wusl, Gerhard oder eben Gertschi kommt. Ich muss gestehen, ich habe ihn nur noch als Gerhard kennengelernt, aber nach und nach kamen dann die alten G'schichten und die anderen Namen.
Wo eben ein Wusl in irgendeiner 5er-Rinne beim Wildwasserfahren fast ertrunken wäre, oder wo er bei den Uni-Klettermeisterschaften annodazumal noch mit Toni Lamprecht gestartet ist. Routenbauer damals war übrigens niemand Geringerer als Alex Huber.
Gerhard startete seine "Freiluftkarriere" im AV in Freising in der Jugendsportklettergruppe. Irgendwann wechselte er dann zusätzlich ins feuchte Nass und die Kayak-Szene und arbeitete in einem großen Münchner Sporthaus. Dann kam er aber doch wieder zurück in die "harte Realität" und verschrieb sich wieder vollends dem Klettern, und so hinterließ er neben vielen anderen Freisingern Spuren an den Routen und den Kletterführern im Alpenvorland. Und das alles, als Klettern und vor allem Bouldern noch weit entfernt von einer "Trendsportart" war. In jüngerer Vergangenheit hinterließ er auch direkt in der Freisinger Halle seine Spuren: so ging er als "Hallen-Gaddafi" in die Geschichte des Vereins ein und überzeugte mit häufig umgeschraubten Routen und Bouldern (von denen "keiner schwerer als ein 6er war").
Außerdem überlegte er sich schon vor fünf Jahren das geniale und inzwischen oft kopierte Konzept der "Bouldernight".
À propos Bouldern: natürlich wurden auch damals schon Gebiete in der Szene proklamiert und als Geheimtipps gehandelt, die noch keiner kannte, was heute undenkbar ist. Wer kennt nicht die Schweizer Gebiete im Avers und im Tessin... und wer fuhr damals schon dahin, wohlgemerkt im Winter. Bitterkalt, -20° Celsius, aber eine Mordsgaudi. Schließlich war man damals noch mittendrin beim Neuerschließen und Erstbegehen von spitzen Gebieten. Den -10°C in Konstein wurde durch wütendes Freischaufeln des Einstiegs der Kampf angesagt. Wie Gerhard halt so ist, war das sicher der ordentlichste Zustieg, den jemals jemand geschaufelt hat.
Zusätzlich wärmt er sich auch grundsätzlich niemals auf, es wird immer völlig kalt an die schwersten Züge geschritten. Der dann folgende Versuch bleibt meist auch der beste des Tages. Ach so und à propos Winter. Wenn mal keine Zeit zum Bouldern war, dann wurde nach Vorarlberg zum Freeriden vulgo pulvern gefahren, und wenn weder Winter noch Bouldern angesagt ist, sondern "Familienurlaub", dann geht's mit der Freundin Richtung Atlantikküste zum Wellenreiten, oder nach Bali, oder - ach, eigentlich egal - irgendwas geht immer, hauptsache draussen.

Climb now, work later...