Thomas Knoche

Text: Christian Rester Foto: Basti Schels

Mit einem feinen "Zrrz" verabschiedete sich das kleine Felsdreieck, das sich dem optimistischen Kletterer gerade noch als vielversprechender Griff wohlfeil bot, Richtung Kar. Sekundenbruchteile nachdem es mait einem pfeifenartigen Surren seine Reise antrat, folgte eine schlanke Gestalt, löste etwas erstaunt ihren ?Ägypter? auf um nach einer kurzen Schwerelosigkeit, vom Seil sanft aufgefangen, einige Meter über dem Standplatz auszupendeln. Der urplötzlich ausgebremste Athlet verlieh seinem Missfallen über die Treulosigkeit dieser Leiste heftigen Ausdruck. Kraftausdrücke hallten Richtung Tofana um in deutlich verminderter Lautstärke zum Falzaregoturm zurückzukehren.
Nach kurzer Lagebesprechung einigen sich der Kletterer und sein Kumpan darauf, dass es zwar schön gewesen wäre diese neue Tour "onsight" zu klettern, es mit einem Hänger aber auch ganz in Ordnung ist.
Ehrgeiz muss sein, aber ist das Klettern nicht an sich schon so etwas Feines, dass man sich einen prächtigen Tag mit einem kleinen Missgeschick nicht verderben lassen sollte?
Thomas Knoches Ehrgeiz und Kletterkunst brachten ihm schon bemerkenswerte Einträge auf diversen Tick- und Ergebnislisten ein. Er weiß, wie sich Sportkletterrouten im 10. Grad anfühlen, wie das Siegerpodium der Deutschen Meisterschaft von oben aussieht und kennt die Anspannung vor einem Weltcup, genauso wie das Kribbeln am Einstieg einer alpinen Route.
Doch an einem geschenkten Tag unterwegs zu sein, den warmen, grauen Kalk unter den Fingern zu spüren, in die Sonne zu blinzeln und den Blick über die Bergketten gleiten zu lassen, ist ein Gefühl das in Thomas' Ranking mittlerweile ganz oben steht.
Als "Kind" des Freisinger Alpenvereins ist er aber auch ein "Macher" für andere. Schon einmal eine richtig gute Route in der Kletterhalle geklettert? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Thomas sie geschraubt hat. Er schraubt, trainiert andere, bereitet die besten Partys in der Kletterhalle mit vor und plant die neue Halle ? und als lupenreiner Amateur wartet da auch noch ein tagesfüllender Broterwerb. Umso mehr genießt der Freiluftwerker die Augenblicke draußen.
Das Fichtel und Sachs Dreigangradl raucht und rauscht in ein fast kitschiges Abendrot. Hinter den beiden abgekämpften Figuren liegt eine prächtige neue Route, die Begehung war knapp aber erfolgreich. War da nicht beim ersten Versuch mal ein feines "Zrrz"? Wurscht.

Could we have a better day?