Claus und Christian Hoffmann

Text: Christian Rester, Foto: Sebastian Schels

Eine finstere, ungemütliche Regennacht im hintersten Valle Gesso. Nur ein Hauch fernöstlicher Folienproduktion trennt Unbill von Gemütlichkeit. Doch ein fruchtiger Nebbiolo d'Alba und der in vielen Dekaden des Unterwegsseins zur Vollreife gelangte Optimismus von Claus gibt die Gewissheit: Hier sind wir richtig. Und dank der Gelassenheit des Bergsteigers, der die Dinge so nimmt, wie sie kommen, wird es ein saugemütlicher Abend.
Geschichterl und Geschichten werden ausgepackt, von staubigen Radlpässen und dünner Luft in Pakistan, beängstigenden Steilrinnen in Chamonix und mürben Brentamauern. Von Zeiten als Bergsteiger noch in Loden gehüllte Vagabunden waren, wilde Gesellen mit vernarbten Pranken, die nachts an einem meterhohen Lagerfeuer saßen. Nun ja, manches verklärt möglicherweise die Erinnerung, doch unbestritten ist, dass Claus und Christian Hoffmann vom reich gedeckten Tisch des Alpinismus schon üppig genascht haben und dabei manches Schmankerl in Firn, Eis und Urgestein genießen konnten. Und dass sie es schon zu Zeiten taten, als Klettern noch nicht en vogue war und freeriden noch ?hinten obifahrn? hieß. Vom Transalp-hype war noch nichts zu ahnen, als sie schon quer durch den Alpenbogen radelten, den Schlafsack unter den Sattel geschnürt, Reifenrichtung Terrain d´Adventure.
Die "Hoffmänner" erlernten ihr alpines Rüstzeug im Dunstkreis der Alpenvereinsjugend der 80er Jahre, wo über den aufkommenden Ausrüstungskult die Nase gerümpft wurde und eine Skitour auch ?bärig? war, wenn die Bruchharschplatten nur so wegspritzten. "Wer ko, der ko".
Und sie können`s. Sie beherrschen auch so selten gewordene Fähigkeiten wie das Planen einer Skitour mit der Karte, den sicheren Hochgeschwindigkeits-AV-Schwung im eisigen Steilgelände mit Riesenrucksack, eine Radlreparatur über der Baumgrenze, die Zubereitung eines Haut Cuisine Gerichts mit Benzinkocher auf dem Zeltplatz "Straßenende" oder im Falle von Christian das Hochseesegeln vor Neuseeland. Schon mal mit einem Hoffmann unterwegs gewesen? Dann weißt du sicher, dass das scheinbar aus der Zeit gefallene Wort Kameradschaft bei ihnen noch seine Wertigkeit hat, sei es im geduldigen Sichern im Projekt oder im verständnisvollen Warten am Ende des Hangs.
Der Regen scheint nachzulassen, Claus schüttelt vorsichtig die Folie aus. Morgen sollten wir mal diesen auf der Karte dünn eingezeichneten Weg Richtung Paso del Van ausprobieren. Könnte fahrbar sein. Ein Schluck Nebbiolo wäre auch noch da.